Verein Anwalt des Kindes in Hamburg e. V. Weiterbildung. Anwalt des Kindes: Konzept

Weiterbildung: Anwalt des Kindes

Ziel

Befähigung zur eigenständigen und fachlich gleichrangig qualifizierten Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen in familien- und vormundschaftsgerichtlichen Verfahren

Voraussetzung:

Die Teilnahme an der Weiterbildung setzt in der Regel ein Hochschulstudium/Fachhochschulstudium im psychosozialen Bereich oder ein juristisches Studium sowie Praxis in diesen Feldern voraus. Ausnahmen sind in einem speziellem Auswahlverfahren zu begründen.

Darüber hinaus wird erwartet

  • die Bereitschaft, interdisziplinär im Team zu arbeiten;

  • die Bereitschaft, seine Tätigkeit der vom Verein bereitgestellten Supervision (Mitarbeiterbesprechungen) zu unterziehen;

  • die Bereitschaft als „Anwalt des Kindes“, Beistand und Begleitung zu sein und sich bei der Interessenvertretung des Kindes/Jugendlichen stets an dem geäußerten Willen zu orientieren;

  • die Bereitschaft, sich auf diese Aufgabe der Interessenvertretung zu beschränken und nicht von sich aus (oder vom Gesetzesauftrag her) das von ihr/ihm so gesehene Wohl des Kindes gegenüber dem Kind/Jugendlichen zu vertreten. Diese Aufgabe ist den Jugendämtern und den Gerichten zu überlassen.

  • Die Anerkennung der Erfahrung: Eine Maßnahme kann nicht zum Wohle des Kindes führen, wenn sie sich gegen den erklärten Willen des Kindes richtet. Die Aufgabe des „Anwalt des Kindes“ ist es gegebenenfalls mit allen Beteiligten solange nach Lösungen zu suchen, bis vor allem das betroffene Kind dieser Maßnahme zu seinem Wohl zustimmen kann.

Qualifizierung

Die Ausbildung vom Verein Anwalt des Kindes in Hamburg e. V besteht zentral darin, auf der Grundlage des Grundwissens diese vorausgesetzte Bereitschaft in eine tief verwurzelte Grundhaltung zu verwandeln, die allen Beteiligten, besonders aber dem zu begleitenden Kind/Jugendlichen glaubhaft vermittelt werden kann.

Nur dann kann und wird nach unserer langjährigen Erfahrung der Einsatz von „Anwalt des Kindes“ zu einem guten Ergebnis führen.

Gerade in den Erstgesprächen mit dem Kind/Jugendlichen ist es wichtig, daß das Kind/der Jugendlichen Vertrauen gewinnt und dem „Anwalt des Kindes“ den Auftrag zur Vertretung seiner Interessen in dem anhängigen Verfahren erteilt.

Die Ausbildung muss diese Fähigkeiten vermitteln.

Das geschieht hauptsächlich durch Rollenspiele und praktische Übungen u.a. mit Hilfsmitteln der Kinderdiagnostik z.B. Familienbrett, um z.B. auch kleinere Kinder dazu zu veranlassen, ihre Wünsche zu äußern.

Um in die Verfahren den Willen des Kindes/Jugendlichen sachgerecht einbringen zu können, werden alle einschlägigen Bestimmungen der entsprechenden Gesetze und Verordnungen speziell unter diesem Gesichtspunkt durchgearbeitet und in praktischen Übungen erläutert.

Alle für die Arbeit als Team „Anwalt des Kindes“ wichtigen Erkenntnisse aus der Kinderpsychologie und der Gesprächsführung werden ebenfalls an Beispielen erläutert und ihre Anwendung geübt.

Die Fähigkeit, sich als Team auf die eigenen Rolle als Interessenvertreter des Kindes/Jugendlichen zu konzentrieren, wird auch durch die Abgrenzung von den Aufgaben z.B. der Rechtsanwältin/des Rechtsanwalts , des Jugendamtes, des Familiengerichts, der Gutachterin, des Gutachters, der Familientherapie und der Mediation geübt.

Dazu finden Gespräche mit VertreterInnen der genannten Gruppen statt. In diesen Gesprächen wird deutlich, wo die Grenzen von „Anwalt des Kindes“ sind und wie eine gute Zusammenarbeit aussehen kann.

Aus unserer Sicht ist es die Hauptaufgabe von „Anwalt des Kindes“, eine Beziehung zu dem betroffenen Kind/Jugendlichen herzustellen und von ihm einen Auftrag zu erhalten und von allen Beteiligten in diesem Auftrag ernst genommen zu werden.

Deswegen ist unserer Meinung nach ein Team notwendig, in dem die pädagogische/ psychologische und juristische Grundqualifikation vertreten ist.

Denn nur ein interdisziplinäres Team ist auf Grund unserer langjährigen Erfahrung in der Lage, auch in schwierigsten Fällen immer wieder beim Kind/Jugendlichen zu bleiben und dessen Interessen erfolgreich in das Verfahren einzubringen, mit der Zielsetzung, daß eine Entscheidung zum Wohl des Kindes/Jugendlichen herbeigeführt wird, mit dem das Kind/der Jugendlichen einverstanden ist und auch alle anderen Beteiligten - es herrscht dann Rechtsfrieden.

Zeitumfang

10 Einheiten Fr 16:00 bis Sa 18:00: ca. 150 Stunden

Antragsunterlagen

Zeugnisse, Führungszeugnis, Lebenslauf, Berufsausbildung, Berufserfahrung;

Inhalte

Siehe Qualifizierung: Einschlägiges aus den Bereichen

Familienrecht,

Entwicklungspsychologie

Pädagogik

Verfahrensrecht , bzw. -technik

Verwaltung

Methodik

Methoden

u.a. Referate, Erfahrungsaustausch, Rollenspiele

ReferentInnen

Prof. Dr. Christian Bernzen,

RA Rudolf v. Bracken,

Rechtspflegerin Martina Brix,Rechtspflegerin Amtsgericht Hamburg-Wandsbek

Dr. med. Christiane Deneke,Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Dipl. Soz.Päd. Reimer Dohrn, Praxis für Familientherapie u. systemische Beratung

Dipl. Soz.Päd. Thomas Karrasch,

Prof. Dr. Michael Lindenberg,Rektor Ev. Fachhochschule für Sozialpädagogik

Dipl. Soz.Päd. Susanne Otto, Jugendamt Hamburg-Mitte

Richter Horst-Heiner Rotax, Amtsgericht Hamburg-Mitte

Dipl. Psych. Angelika Schwerin, Institut für gerichtspsychologische Gutachten

Dipl- Soz.Päd. Anke Wagener,

 



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